Seifenkistenrennen der Weilbacher Kerbeborsch

Duelle auf heißem Asphalt

Die Ecke von der Brahmsstraße bis zur Straße am alten Bach wurde am Samstag zur Rennstrecke. 32 Teilnehmer traten in zehn Seifenkisten gegeneinander an.

Die tolle »Was e' Ding«-Kiste mit den Erbauern und Fahrern Katharina und Toni Lindner, Wolfgang Winkler, Ingmar Planz (von links).

Die tolle »Was e’ Ding«-Kiste mit den Erbauern und Fahrern Katharina und Toni Lindner, Wolfgang Winkler, Ingmar Planz (von links).

Weilbach. Schwimmbecken und kühle Kellerräume waren am Wochenende wohl die bevorzugten Aufenthaltsorte, um der extremen Hitze zu entgehen. Dies galt nicht in Weilbach, wo einige Personen lange Kleidung und Helme trugen, obwohl das Thermometer Temperaturen um die 40 Grad anzeigte. Die Teilnehmer des 2. Seifenkistenrennens der Weilbacher Kerbeborsch duellierten sich in der Mittagssonne auf dem heißen Asphalt.

„Das ist schon eine Herausforderung bei der Hitze“, erklärte Fahrer Ingmar Planz, der zum Team der Seifenkiste „Was e’ Ding“ gehörte. Die hohen Temperaturen waren wahrscheinlich auch schuld daran, dass sich weniger Zuschauer als im Vorjahr entlang der Strecke tummelten. Das könne man bei diesem Wetter aber auch von niemandem erwarten, meinte Ingmar Planz. Er finde die Umstände als Teilnehmer schon recht „grenzwertig“, räumte der Weilbacher ein. Eine Möglichkeit zur Erfrischung erwartete die Rennfahrer zumindest nach der Ziellinie: Am Ende der Strecke hatten die Kerbeborsch einen Wasserschlauch bereitgelegt.

Für die Fahrer stand aber fest, dass sie sich das Rennen trotz tropischer Wetterlage nicht entgehen lassen würden. Schließlich hatten die meisten viel Arbeit in den Bau und die Gestaltung ihrer Seifenkisten investiert. Drei Monate lang werkelten Ingmar Planz, Wolfgang Winkler und Toni Lindner an ihrem Wagen. Das Ergebnis war ein echter Hingucker: Die Seifenkiste mit dem Namen „Was e’ Ding“ sah aus, als sei sie einem Science-Fiction-Roman von Jules Verne entsprungen. Das Fahrzeug wirkte wie eine kleine Rakete aus Holz. Kupferfarbene Schläuche und eine Druckanzeige sollten den Eindruck erwecken, die Kiste werde von einer Dampfmaschine angetrieben. Gesteuert wurde der hölzerne Blickfang nicht mit einem Lenkrad, sondern mit zwei Hebeln an den Seiten. „Man muss mit offenen Augen durch den Baumarkt gehen“, beschrieb Ingmar Planz die Materialsuche. Die dünnen Räder stammten von einem Rollstuhl, den die Bastler auf einem Flohmarkt erworben hatten. „Die laufen leicht, wegen des geringen Widerstands“, erklärte Planz die Idee. Neben den drei Männern stieg am Samstag auch Toni Lindners Tochter Katharina Lindner als Fahrerin in die ungewöhnliche Kiste.

Bestzeit: 21,70 Sekunden

Beim Seifenkistenrennen der Weilbacher Kerbeborsch gab es jeweils ein Siegertreppchen für Kinder und Erwachsene. Den ersten Platz bei den Kindern erreichte Lars Göbel, der die Strecke mit seiner Kiste „Böser Blick“ in 23,58 Sekunden zurücklegte. Seine Schwester Alicia Göbel errang den zweiten Platz. Dritter wurde Maximilian Fey vom Weilbacher Eintracht Fanclub (EFC) „Fuchselöcher“.

Der EFC schnitt auch bei den Erwachsenen hervorragend ab: Vereinsmitglied Mikel Nikolai erreichte mit 21,70 Sekunden die Bestzeit. Auf den Plätzen zwei und drei folgten Sascha Stricker und Wolfgang Winkler.

Das Team wurde für seine Kreativität mit einem Sonderpreis für die schönste Seifenkiste belohnt. „Was e’ Ding“ war aber auch unter den Bestzeiten ganz vorne dabei: Wolfgang Winkler fuhr mit 21,92 Sekunden auf den dritten Platz der Erwachsenenwertung. Es sei wichtig, geradeaus zu fahren und wenige Lenkbewegungen zu machen, beschrieb er sein Erfolgsrezept. Das größte Hindernis sei die scharfe Kurve von der Haydnstraße in die Straße „Am alten Bach“. Dort kam es in diesem Jahr zu mehreren Stürzen. Die Unfälle, die sich durch die zu schnelle Einfahrt in die Schikane ergaben, seien jedoch ohne ernsthafte Verletzungen ausgegangen, erklärte Hendrik Schmidt, Vorsitzender der Kerbebosch. Der Verein habe den Streckenrand mit Strohballen und Reifen gepolstert und das Tragen eines Helms vorgeschrieben. „Sicherheit geht vor“, so Schmidt. Zur Tempoverschärfung trug in diesem Jahr die Erhöhung der Startrampe bei. Die Abfahrt von der Ladefläche eines Lastwagens war einen halben Meter höher und steiler als im Vorjahr.

Aufgrund der großen Hitze strichen die Ausrichter den letzten der drei geplanten Wertungsläufe. Die Fahrer traten deshalb nur in einem Probelauf und zwei Wertungen gegen die Zeit an. Trotzdem seien die Kerbeborsch mit der zweiten Auflage des Rennens sehr zufrieden, betonte Hendrik Schmidt. „Dieses Wetter war immer noch besser als Regen“, meinte der Chef der Weilbacher Kerbeborsch.

Quelle: Höchster Kreisblatt vom 6. Juli 2015